Fast Track 2020

Dieses Jahr haben zwei Dutzend Kreativteams ihre Projekte für den Innovationswettbewerb der Filmstiftung eingereicht – so viele wie noch nie. Regisseur Jan-Ole Gerster hat aus diesen Einreichungen drei Projekte zu Gewinnern gekürt:


«Alma»

Von Rafael Palacio Illingworth und Eleonore Meier
Geschätztes Projektbudget: CHF 387’929. Die Zürcher Filmstiftung beteiligt sich mit CHF 310’103

«Alma» ist die tragische Liebesgeschichte zwischen einem Mann und dem Geist seiner verstorbenen Frau. Das Projekt versucht, eine experimentelle Produktionsmethode für narrative Low-Budget-Filme zu entwickeln. Es wird in eine Reihe aufeinanderfolgender Mini-Produktionen aufgeteilt, die die Geschichte nach und nach aufbauen, korrigieren und verbessern. Das Ziel ist es, dem Kreativteam die Freiheit zu geben, neue und unerwartete Wege im Erzählen einer Geschichte zu finden.

Begründung des Jurors:
Mit einer geliebten Verstorbenen nochmals sprechen zu können, berührt als Erzählidee. Das Kreativteam arbeitet aus einem Fundament an persönlichen Erfahrungen heraus und hat sich für eine poetische, assoziative Herangehensweise an das Thema entschieden. Das Vorhaben verspricht eine visuell cineastische Umsetzung und bietet die Chance auf etwas Besonderes.


«Doppelgänger»

Von Silvan Hillmann, Andreas Müller, Emanuel Signer und Lisa Gerig
Geschätztes Projektbudget: CHF 345’000. Die Zürcher Filmstiftung beteiligt sich mit CHF 276’000

Im «Doppelgänger» geht es um Menschen, die sich aufgrund ihrer vermeintlichen Ähnlichkeit zum Schauspieler Heath Ledger zusammenfinden. Aus dieser Ausgangslage entsteht ein Film, der elliptisch von den Begegnungen zwischen diesen Menschen erzählt und dabei Fragen nach Identität, Gemeinschaftsbildung, Ähnlichkeit und Differenz behandelt. Der Film folgt keinem vorab gesetzten stringenten Narrativ, sondern setzt sich aus (re-) inszenierten Handlungen und Gesprächen des Ensembles zusammen.

Begründung des Jurors:
In diesem Film wird Heath Ledger zum Aufhänger genommen, um die eigene Persönlichkeit in Relation zur Persönlichkeit eines anderen, bzw. einer ganzen Gruppe anderer zu stellen. Dieser Ansatz ist humorvoll, unprätentiös und macht neugierig. Ihrem Untersuchungsgegenstand nähert sich das Kreativteam mit einer Arbeitsweise, die zwischen Fiktion und Dokumentation oszilliert.

«Hallo Vater, …»

Von Anja Reiss und Jann Anderegg
Geschätztes Projektbudget: CHF 400’000. Die Zürcher Filmstiftung beteiligt sich mit CHF 320’000

Dieser Roadmovie folgt den Spuren eines verurteilten Kriegsverbrechers, der Verbindungen in die Schweiz hat. Auf dieser Reise durch das heutige Ruanda entscheiden die Zuschauer und Zuschauerinnen selbst, wie intensiv sie sich mit den universellen Fragen nach Schuld und Verantwortung auseinandersetzen möchten.

Begründung des Jurors:
Die interaktive Web-Dokumentation behandelt den Genozid in Ruanda von 1994, bei welchem innerhalb von 100 Tagen fast eine Million Menschen umgebracht worden sind. Mit der Aufarbeitung der Ereignisse geht das Kreativteam Fragen der gesellschaftlichen Manipulation nach, die nicht auf die Vergangenheit beschränkt sind, sondern sich immer wieder stellen. Ihrem Publikum eröffnen sie mittels Interaktionsmöglichkeiten eine individuelle Auseinandersetzung mit dem wichtigen Thema.