FAST TRACK

 

Spielt Ihr Film auf einer Gitarrensaite? Wird Ihre Kamera zum Mikroskop? Oder schreibt eine Software die Geschichte? Gerne einreichen! Und alle anderen Ideen auch. Denn mit dem Wettbewerb „Fast Track“ fördert die Zürcher Filmstiftung audiovisuelle Werke, die technisch innovativ sind oder einen besonderen künstlerischen Anspruch haben. Es sollen neue Wege beschritten und ungewohnte Formate ausgetestet werden können. Juriert werden die eingereichten Projekte in diesem Jahr von den Geschwistern Anna und Dietrich Brüggemann.

Einsendeschluss: 19. April 2021
Bekanntgabe der Gewinnerteams: Anfang Juni 2021

Wer darf am Wettbewerb teilnehmen?
Kreativteams, bei denen die künstlerisch oder produktionell verantwortliche Person seit mindestens zwei Jahren den steuerrechtlichen Erstwohnsitz im Kanton Zürich hat, können ein Projekt einreichen. Dabei muss die künstlerisch verantwortliche Leitung mindestens ein Referenzwerk vorweisen können.

Welche Projekte können eingereicht werden?
Audiovisuelle Werke, die einen besonderen künstlerischen Anspruch oder einen technisch innovativen Charakter haben, können eingereicht werden. Mit klassischen Dokumentar- und konventionellen Spielfilmen kann man nicht am Fast Track teilnehmen. Das Herstellungsbudget darf CHF 400’000 nicht überschreiten. Zudem darf das Projekt noch nie für einen Herstellungsbeitrag bei einer Förderinstitution im In- oder Ausland eingereicht worden sein.

Wie viele Projekte können eingereicht werden?
Eines pro Kreativteam, wobei dieselben Personen nicht Mitglied mehrerer Kreativteams sein können.

Wer entscheidet über den Gewinn?
Die künstlerische Entscheidung liegt bei einer jährlich wechselnden Jury. Die Jury 2021 bilden Anna und Dietrich Brüggemann. Die beiden können bis zu drei Projekte für einen Herstellungsbeitrag empfehlen.

Wer sind Anna und Dietrich Brüggemann?
Die Schauspielerin und Drehbuchautorin Anna Brüggemann (*1981) stand 1996 erstmals vor der Kamera und wirkt seither an diversen Fernseh- und Kinofilmen mit. Ihr Bruder Dietrich Brüggemann (*1976) ist Filmregisseur und Drehbuchautor. Neben langen Kinofilmen inszeniert er auch Theaterstücke, dreht Musikvideos und ist selber auch als Musiker unterwegs. Gemeinsam haben sie die Drehbücher für seine Spielfilme «Neun Szenen», «Renn, wenn du kannst» und «3 Zimmer/Küche/Bad» geschrieben, in denen Anna Brüggemann auch die weibliche Hauptrolle spielt. Das ebenfalls gemeinsam geschriebene Drehbuch für den Spielfilm «Kreuzweg» wurde an der Berlinale 2014 mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet. Beide leben mit ihren Familien in Berlin.

Was passiert nach der Juryentscheidung?
Nach einer Empfehlung des Projekts durch die Jury verpflichtet sich die Filmstiftung zur Deckung von 80% der Finanzierung, sobald 20% gesichert sind. Dies muss innerhalb von 9 Monaten nach der Bekanntgabe des Gewinnes geschehen, wobei Eigenmittel, Referenzmittel, Crowd-Funding, bedingungslose Finanzbeiträge u.ä. zulässig sind. Nicht zulässig sind Rückstellungen und die Beteiligung durch ein Medienunternehmen.

Wo reiche ich mein Projekt ein?
Wer ein Projekt einreichen möchte, muss sich vorgängig auf der Onlineplattform der Zürcher Filmstiftung für den Fast Track registrieren. Achtung: die Freischaltung kann zwei Tage dauern. Nach erfolgreicher Registrierung wird das Projekt via Plattform eingereicht.

In welcher Form reiche ich mein Projekt ein?
Die Einreichung kann frei gestaltet werden, solange sie innerhalb des folgenden Rahmens bleibt:

  • Text: Insgesamt max. 25’000 Zeichen. Wir behalten uns vor, zu lange Antragsdossiers zurückzuweisen!
  • Filmmaterial: Insgesamt max. 20 min (exkl. Referenzwerk)

Die folgenden Elemente müssen enthalten sein:

  • Eine Beschreibung des Projekts (Gestaltung, Drehkonzept, Arbeitsweise etc.)
  • Vorstellung des Kreativteams und weiterer Schlüsselpersonen
  • Angaben zur Projektorganisation (Zeitplan, Budget, Produktionsmittel etc.)
  • Darlegung des Regionaleffektes (mind. 100%)
  • Geplante Auswertungsstrategie
  • Ein Referenzwerk der künstlerischen Leitung

Grundsätzlich gilt: Je genauer sich die Jury das Projekt vorstellen kann, desto besser.

Es gelten die Richtlinien zu Fast Track und die allgemeinen Bestimmungen des Förderreglements.

 

Im Jahr 2020 haben zwei Dutzend Kreativteams ihre Projekte für den Innovationswettbewerb der Filmstiftung eingereicht – so viele wie noch nie. Regisseur Jan-Ole Gerster hat aus diesen Einreichungen drei Projekte zu Gewinnern gekürt:

«Alma»

Von Rafael Palacio Illingworth und Eleonore Meier
Geschätztes Projektbudget: CHF 387’929. Die Zürcher Filmstiftung beteiligt sich mit CHF 310’103

«Alma» ist die tragische Liebesgeschichte zwischen einem Mann und dem Geist seiner verstorbenen Frau. Das Projekt versucht, eine experimentelle Produktionsmethode für narrative Low-Budget-Filme zu entwickeln. Es wird in eine Reihe aufeinanderfolgender Mini-Produktionen aufgeteilt, die die Geschichte nach und nach aufbauen, korrigieren und verbessern. Das Ziel ist es, dem Kreativteam die Freiheit zu geben, neue und unerwartete Wege im Erzählen einer Geschichte zu finden.

Begründung des Jurors:
Mit einer geliebten Verstorbenen nochmals sprechen zu können, berührt als Erzählidee. Das Kreativteam arbeitet aus einem Fundament an persönlichen Erfahrungen heraus und hat sich für eine poetische, assoziative Herangehensweise an das Thema entschieden. Das Vorhaben verspricht eine visuell cineastische Umsetzung und bietet die Chance auf etwas Besonderes.

«Doppelgänger»

Von Silvan Hillmann, Andreas Müller, Emanuel Signer und Lisa Gerig
Geschätztes Projektbudget: CHF 345’000. Die Zürcher Filmstiftung beteiligt sich mit CHF 276’000

Im «Doppelgänger» geht es um Menschen, die sich aufgrund ihrer vermeintlichen Ähnlichkeit zum Schauspieler Heath Ledger zusammenfinden. Aus dieser Ausgangslage entsteht ein Film, der elliptisch von den Begegnungen zwischen diesen Menschen erzählt und dabei Fragen nach Identität, Gemeinschaftsbildung, Ähnlichkeit und Differenz behandelt. Der Film folgt keinem vorab gesetzten stringenten Narrativ, sondern setzt sich aus (re-) inszenierten Handlungen und Gesprächen des Ensembles zusammen.

Begründung des Jurors:
In diesem Film wird Heath Ledger zum Aufhänger genommen, um die eigene Persönlichkeit in Relation zur Persönlichkeit eines anderen, bzw. einer ganzen Gruppe anderer zu stellen. Dieser Ansatz ist humorvoll, unprätentiös und macht neugierig. Ihrem Untersuchungsgegenstand nähert sich das Kreativteam mit einer Arbeitsweise, die zwischen Fiktion und Dokumentation oszilliert.

«Hallo Vater, …»

Von Anja Reiss und Jann Anderegg
Geschätztes Projektbudget: CHF 400’000. Die Zürcher Filmstiftung beteiligt sich mit CHF 320’000

Dieser Roadmovie folgt den Spuren eines verurteilten Kriegsverbrechers, der Verbindungen in die Schweiz hat. Auf dieser Reise durch das heutige Ruanda entscheiden die Zuschauer und Zuschauerinnen selbst, wie intensiv sie sich mit den universellen Fragen nach Schuld und Verantwortung auseinandersetzen möchten.

Begründung des Jurors:
Die interaktive Web-Dokumentation behandelt den Genozid in Ruanda von 1994, bei welchem innerhalb von 100 Tagen fast eine Million Menschen umgebracht worden sind. Mit der Aufarbeitung der Ereignisse geht das Kreativteam Fragen der gesellschaftlichen Manipulation nach, die nicht auf die Vergangenheit beschränkt sind, sondern sich immer wieder stellen. Ihrem Publikum eröffnen sie mittels Interaktionsmöglichkeiten eine individuelle Auseinandersetzung mit dem wichtigen Thema.

 

Hier finden Sie die Gewinnerteams der vergangenen Jahre.

Fast Track 2019

«Filme befreien den Kopf» von Valentin Merz und Maxi Schmitz
Der junge Filmemacher Frank Costa will in «Filme befreien den Kopf» de Sades «Philosophie im Boudoir» verfilmen. Dieser Handlung nähert sich der Film mit drei Erzählsträngen, die zunächst parallel laufen und dann im Verlauf des Films mehr oder weniger zusammenkommen. «Filme befreien den Kopf» thematisiert Gewalttätigkeit, die man gern im Anderen wahrnimmt, in den Terroristen, den Faschisten etc. aber nicht bei sich selbst. Ohne die Auseinandersetzung mit der eigenen Gewalt sind aber Veränderungen nicht möglich.

«Hundsjahre» von Lorenz Suter
Hundsjahre ist ein narrativ-episodischer Spielfilm, der über 3 Jahre und Drehetappen produziert wird. Der Zahn der Zeit nagt an Cast & Crew, Drehplan und Drehbuch erfinden sich immer wieder neu. In der Geschichte kämpft die alleinerziehende Norma gegen die Zeit an. Sie wünscht sich zurück, was sie verloren hat: Ihren Mann, der zusammen mit dem Hund und Familienglück verschollen ist…

«Skies» von Nathalie Kamber und Rebekka Friedli
Eine runde, horizontale Fläche bildet die Leinwand der Videoinstallation Skies. Darauf werden Videoaufnahmen projiziert, die aus einer extremen Untersicht gefilmt wurden. Im Liegen richten die Besucher und Besucherinnen den Blick nach oben, schauen hoch auf die Leinwand über ihnen und sind den Bildern in diesem um 90 Grad gedrehten Kino auf ganz neue Weise ausgesetzt. Mit einer eigens konstruierten Metallkonstruktion kann dieses innovative Wanderkino flexibel von Ort zu Ort reisen.

Fast Track 2018

«Chronos» von Rafael Bolliger und Valentin Greutert
Bisherige VR-Projekte treiben die Zuschauer in die Isolation. Wo bleibt das gemeinschaftliche Erleben wie im Kino? Mit CHRONOS wollen die Initianten technische Möglichkeiten austesten, wie der soziale Aspekt wieder in das Storytelling eingebaut werden kann. Erreicht werden soll «eine virtuelle Realität, die man sowohl spüren, berühren und riechen kann».

«Die Eingeborenen» von Marisa Meier und Dennis Stormer
In dieser fiktiven transmedialen Arbeit entscheidet ein Algorithmus über Deine Zukunft und Deinen Traumjob. Die deprimierende und oft endlose Orientierungsphase mit all ihren Sinnkrisen bleibt den Heranwachsenden erspart. Auf humorvolle Art werden die Lebensgefühle von sieben «Berufs-Jugendlichen» ernst genommen. Webserie, soziale Netzwerke und improvisierter Langfilm sollen auf neue Art verwoben und so eine junge Zielgruppe erreicht werden.

«Wir Eltern» von Eric Bergkraut, Ruth Schweikert und Lukas Piccolin
Ein aufgeklärtes Zürcher Elternpaar hat sich bemüht, ihre 19-jährigen Zwillinge politisch korrekt zu verantwortungsvollen Bürgern zu erziehen. Doch diese weigern sich standhaft, erwachsen zu werden. Was ist real? Was ist erfunden? Zwischen Spiel- und Dokumentarfilm oszillierend will das Kreativteam – bestehend aus tatsächlichen Familienmitgliedern – eine Groteske entwickeln und der Frage nachgehen: Wo beginnt Verantwortung, wo endet sie?