Zürcher Filmpreis

 

Preise und Auszeichnungen 2021

Eine jährlich wechselnde Fachjury trifft die Entscheidung über die Preisvergabe. Sie besteht aus drei Dreiergremien: Eine dreiköpfige Jury für den Kurzfilm, eine für den langen Dokumentarfilm und eine für den langen Spielfilm. In jeder der drei Kategorien gibt es einen Preis für den besten Film. Zusätzlich zeichnet jede Jury zwei besondere Leistungen aus, beispielsweise für Kamera, Musik, Drehbuch und weitere am Film beteiligte Personen.

Jury Zürcher Filmpreis 2021

Preise für den besten Film 2021

Zürcher Filmpreis 2021 für den besten Kurzfilm
«Mussies Zimmer» von Felix Hergert, produziert von Sabotage Filmkollektiv, Zürich 

Begründung der Jury:
Unaufgeregt und mit klaren, einfachen Mitteln erzählt der Regisseur Felix Hergert den Alltag des jungen Eritreers Mussie, der über drei Jahre lang auf seinen Asylentscheid wartet. In seinem Zimmer in einem Schweizer Dorf sitzend erzählt Mussie dem Filmemacher davon. Das Besondere daran ist, dass dem Regisseur dabei eine Begegnung auf Augenhöhe gelingt. Er beobachtet seinen Protagonisten nicht nur, sondern schafft eine glaubhafte Nähe zu ihm. Der Film besticht in seiner Vielschichtigkeit und gleichzeitig durch seine Schlichtheit. Und er ist ein gelungenes Beispiel für eine Generation von Filmschaffenden, die sich auf dem Sportplatz und auf der Strasse trifft und Diversität nicht nur zeigt, sondern lebt. 

 

Zürcher Filmpreis 2021 für den besten Dokumentarfilm
«Dida» von Nikola Ilić & Corina Schwingruber Ilić, produziert von Dschoint Ventschr Filmproduktion, Zürich 

Begründung der Jury:
Dida lebt mit ihrer Mutter in einer kleinen Wohnung in Belgrad. Sie ist eine besondere Frau und die Mutter des Regisseurs – oder andersherum? So einfach der Ansatz dieses aussergewöhnlichen Films ist, so komplex ist die Aufgabe, die sich hier für den Sohn und seine Frau gleichermassen als Paar und als Regieteam stellt. Wie kann ein Sohn seiner Mutter helfen, ihr Leben zu leben, ohne seine eigene Unabhängigkeit zu verlieren? Wie soll das gehen, wenn man nicht in der gleichen Stadt, ja nicht einmal im gleichen Land lebt? Und was passiert, als auch noch die Grossmutter stirbt und Dida nicht alleine leben kann? 

Das Genre des ich-erzählten dokumentarischen Familienporträts ist verbreitet und beim Publikum beliebt. Die Kunst besteht darin, intime Einblicke, die nur aus dieser Perspektive möglich sind, zu gewähren und doch etwas Allgemeingültiges darüber hinaus zu erzählen. «Dida» ist ein intimes, detailreiches und humorvolles Porträt einer Familie und umfasst dabei grosse Themen: Den Generationenkonflikt, die Frage der Verantwortung der Kinder für ihre Eltern und nicht zuletzt die interkulturellen Hürden, die sich stellen, wenn Familien in verschiedenen Ländern leben. 

Nikola Ilić und Corina Schwingruber Ilić halten sich ganz an die Authentizität des Geschehens und trauen sich doch, erzählerisch virtuos zwischen Balkan Blues und Balkan Beats zu changieren. Ein Film, der für uns alle noch mehr als eine wirkliche emotionale Bereicherung ist.

 

Zürcher Filmpreis 2021 für den besten Spielfilm
«Spagat» von Christian Johannes Koch, produziert von Catpics, Zürich

Begründung der Jury:
Das Leben ohne Aufenthaltsbewilligung: „Spagat“ erzählt auf einnehmende Weise vom Leben in der Schweiz, ohne das Recht zu bleiben, zu arbeiten oder zur Schule zu gehen. Dass der Filmemacher dafür hauptsächlich weibliche Perspektiven wählt, nämlich jene einer Lehrerin, die plötzlich nicht weiss, wohin sie gehört, und jene eines jungen Mädchens, das – wie alle in ihrer Klasse – eigentlich nur dazugehören möchte, ist beeindruckend. Dabei zeigt «Spagat» die verschiedenen Perspektiven mit viel Einsicht. Der Regisseur inszeniert diese einfühlsam und überzeugend, poetisch und authentisch zugleich. 

Bei «Spagat» handelt es sich um den ersten abendfüllenden Spielfilm des Schweizer Regisseurs Christian Johannes Koch, was die Poetik, Ästhetik und Überzeugungskraft dieses Werks noch eindrücklicher macht. Und uns gespannt auf die nächsten Beiträge des Regisseurs und seines Teams warten lässt. Darum freuen wir uns, «Spagat» als den besten Spielfilm auszuzeichnen. 

 

Auszeichnungen

Kategorie Kurzfilm

Jela Hasler
Auszeichnung mit dem Zürcher Filmpreis 2021 für die Regie in «Über Wasser» 

Begründung der Jury:
Was bedeutet es, heutzutage als junge Frau in einer anonymen Grossstadt durch den Tag zu kommen? Eine Antwort auf diese Frage gibt uns der Kurzfilm von Jela Hasler. Sie entwirft einen Tag im Leben einer jungen Frau und gibt dem Publikum einen Einblick in die Art und Weise, mit der sie sich in der Gesellschaft bewegt und sich in kleinen und grösseren Momenten belästigt und ohnmächtig fühlt. Der Regisseurin, die bisher vor allem im dokumentarischen Genre unterwegs gewesen ist, gelingt es in ihrer fiktionalen Arbeit, eine Kohärenz in Schauspielführung und Rhythmus umzusetzen und ein wichtiges Thema prägnant im kurzen Format zu vermitteln. Diese Leistung überzeugt. 

 

Kezia Zurbrügg und Philipp Ritler
Auszeichnung mit dem Zürcher Filmpreis 2021 für das Bildkonzept in «In guten Händen» 

Begründung der Jury:
Coaching, Sorgentelefon, psychologische Begleitung. In diesen und weiteren Bereichen versuchen Menschen anderen Menschen beizustehen, sie zu begleiten und Nähe zu schaffen in einer Zeit, in welcher viele einsam sind. Der Kurzfilm gibt Einblick in diese zwischenmenschliche Hilfeleistung und macht mittels seiner sorgfältig komponierten Bildsprache und feiner Kameraführung deutlich, dass es sich dabei um eine professionelle Dienstleistung handelt, um einen Beruf. Die filmischen Tableaus, welche auf schlichte Weise einen Beruf nach dem anderen zeigen, beweisen ein sehr gutes Auge für Komposition und Bildgestaltung sowie ein Gespür für Inszenierung. Das künstlerische Konzept besticht in seiner Klarheit: Mit einem Blick aus der Distanz wird Nähe und Empathie vermittelt.

Kategorie Dokumentarfilm

Gabriel Lobos
Auszeichnung mit dem Zürcher Filmpreis 2021 für die Kamera in «Apenas el sol» 

Begründung der Jury:
Unermüdlich durchquert Mateo Sobode Chiqueno mit seinem alten Kassettenrecorder die karge Landschaft des paraguayischen Chaco. Er ist der Chronist seines nomadischen Volkes, den Ayoreo, das von Missionaren gewaltsam aus seiner fruchtbaren Heimat im Urwald von Paraguay vertrieben worden ist. Nun leben sie in einer Zwischenwelt ohne Perspektive. 

In diese Welt führt uns Gabriel Lobos mit seinen feinfühligen und respektvollen Bildern, die den kolonialen Blick nicht verheimlichen, aber die Würde der Menschen vermitteln. Während der Protagonist die Erinnerungen und Lieder seines Volkes auf Audiokassetten festhält, wird die sensible Kamera von Gabriel Lobos zum Zeugen der trostlosen Gegenwart und der Entwurzelung der Ayoreo. 

Dabei offenbart sich die Fragilität ihrer Erinnerungen (nicht nur) in Form von Matteos von Wind und Staub bedrohten Kassetten. 

Gabriel Lobos Blick bewegt sich in ruhigen, atmenden Tableaus durch die Situationen. Er findet die richtige Nähe zu seinen Protagonisten, ohne die Distanz zu verlieren oder das Geschehen zu werten. Die empathische, konsequent beobachtende Gestaltung, der Sinn fürs Detail und die Interaktion zwischen Mensch und Landschaft in Cinemascope, lässt Raum für eigene Wahrnehmungen und Assoziationen. Neben der souveränen Regie von Arami Ullón ist es insbesondere Gabriel Lobos wunderbaren Bildern zu verdanken, dass uns der Film sofort einen Zugang zu dieser entlegenen Welt finden lässt, die in ihrer Zärtlichkeit und erlebten Brutalität ungemein berührt. 

 

Lesia Kordonets
Auszeichnung mit dem Zürcher Filmpreis 2021 für die Regie in «Pushing Boundaries» 

Begründung der Jury:
Die Besetzung der ukrainischen Krim durch die russische Armee löste während der paralympischen Spiele im März 2014 internationale Verwicklungen aus, die im Grenzgebiet zwischen den beiden Staaten aktuell immer noch schwelende kriegerische Auseinandersetzungen zur Folge haben. Dieses grosse Thema anhand der an Hürden reichen Vorbereitung der ukrainischen paralympischen Mannschaft zu erzählen, deren Trainingszentrum auf der besetzten Halbinsel Krim liegt, erweist sich als geniale Entscheidung der Regisseurin Lesia Kordonets. 

Souverän und detailreich erfahren wir vom Kampf verschiedener Protagonistinnen und Protagonisten in den Sportarten Rudern, Gewichtheben und Volleyball um ihre Qualifikation für die Spiele in Rio de Janeiro; vom Kampf des nimmermüden Direktors des ukrainischen paralympischen Teams für die Rechte seiner Sportlerinnen und Sportler sowie auch von den politischen und militärischen Entwicklungen des Konflikts. 

Der Mut von Lesia Kordonets, in ihrem ersten abendfüllenden Film einem relevanten, politischen Thema mit einem grossen Ensemble von Protagonisten zu folgen, wird erzählerisch umfassend belohnt. Wir erleben den staatlichen Konflikt zwischen der Ukraine und Russland im Leben und Streben der Protagonistinnen und Protagonisten zutiefst emotional gespiegelt. Der Film lässt uns erleben, wie die Athleten und Athletinnen über ihre körperlichen Grenzen hinauswachsen, während um sie herum die politischen Grenzen hin- und hergeschoben werden. 

Kategorie Spielfilm

Auszeichnungen in der Kategorie Spielfilm 

Noemi Preiswerk
Auszeichnung mit dem Zürcher Filmpreis 2021 für die Montage in «Youth Topia»

Begründung der Jury:
Wann werden wir erwachsen, wann sind wir es? Ein Ausblick in eine Zukunft, in der ein Algorithmus über Karrieren und Lebensmodelle entscheidet und die Jugendlichen über etwas verfügen, das den Erwachsenen abhanden gekommen ist: Gemeinschaft. 

Der unkonventionell gedrehte Film «Youth Topia» besticht insbesondere durch kluge, wohl bedachte Montage. Cutterin Noemi Preiswerk hat die oftmals improvisierten Szenen mit sicherem Gespür ausgewählt, die schauspielerische Leistung durch ihre Auswahl verdichtet, die Szenen dramaturgisch und rhythmisch zu eindrücklichen Sequenzen zusammengefügt. 

Ihr ist es gelungen, die originelle Bildsprache, das authentische Schauspiel und die schräge Story zu einem überzeugenden Ganzen zusammenzufügen. Ihr kreativer Beitrag hat die Jury nicht nur bei «Youth Topia» überzeugt, sondern auch bei «Monte Verità»: Auch dort trägt ihre Montage entscheidend zum gelungenen Rhythmus und zur kraftvollen Form des Filmes bei.

Wir freuen uns, mit Noemi Preiswerk eine herausragende Vertreterin des viel zu oft übersehenen Berufs der Montage auszeichnen zu dürfen, den sie mit handwerklicher Genauigkeit und gleichzeitig mit künstlerischem Elan ausgestaltet. 

 

Magaly Solier
Auszeichnung mit dem Zürcher Filmpreis 2021 für das Schauspiel in «The Saint of the Impossible»

Begründung der Jury:
Auf den heissen Strassen der Bronx, heute: eine peruanische Frau und ihre zwei halbwüchsigen Söhne leben und überleben ohne Aufenthaltsgenehmigung in der brodelnden Metropole. In dichten, fiebrigen Bildern erzählt «The Saint of the Impossible» von der Suche nach Unabhängigkeit, Freiheit, Liebe und Glück. 

Im Auge dieses Taifuns steht eine starke Frau: Die peruanische Sängerin und Schauspielerin Magaly Solier verkörpert die peruanische Einwanderin Raffaella mit Verve, Kraft und fein ziselierter Emotion. Als «Mama Burrita» eröffnet sie mithilfe eines Schweizer Schundroman-Autors in ihrer Wohnung einen lateinamerikanischen Catering-Service. Magaly Soliers Darstellung oszilliert ebenso gekonnt wie mitreissend zwischen Lebensfreude, physischer Erschöpfung, der Liebe zu ihren Kindern und der berechtigten Wut auf die per se ungerechten Verhältnisse. Im Finale des Films, als ihre kleine Welt in Trümmern zu liegen scheint, eröffnet ein Anruf eine neue Perspektive – und im Gesicht dieser Frau am Telefon spiegelt sich in diesem klaren Moment die Idee von Glück. Dum spiro, spero – solange ich atme, hoffe ich: Magaly Solier gibt diesem Satz mit ihrer Kunst buchstäblichen Sinn.

 

Die eingereichten Filme 2021

Kategorie «Bester Kurzfilm»

Dirt Devil 550 XS (Rolf Hellat/Nordhang Film)
Downriver (Andrea Boll/unico)
For Real, for Real, for Real this time (Milva Stutz/Milva Stutz Filmprodutkion)
In guten Händen (Kezia Zurbrügg, Philipp Ritler/Dynamic Frame)
Mussies Zimmer (Felix Hegert/Sabotage Filmkollektiv)
Paxmal (Sven Schnyder/Sebastian Klinger)
Real News (Luka Popadić/Catpics)
Schalentiere (Nina Kovacs/TILT Production)
Über Wasser (Jela Hasler/Langfilm)

Kategorie «Bester Dokumentarfilm»

Apenas el sol  (Arami Ullón/Cineworx Filmproduktion)
Cheibe Zürcher (Nicolas Yves Aebi/Soltmannowski Kommunikation)
Das neue Evangelium (Milo Rau/Langfilm)
Der Ast, auf dem ich sitze (Luzia Schmid/Dschoint Ventschr Filmproduktion)
Dida (Nikola Ilić, Corina Schweingruber Ilić/Dschoint Ventschr Filmproduktion)
Ich habe in Moll geträumt (Ueli Meier/Sihlfeld Film)
Kleine Heimat (Hans Haldimann/Haldimann Filmproduktion)
Love will come later (Julia Furrer/Freihändler Filmproduktion)
Menschenskind! (Marina Belobrovaja/GOLDEN EGG PRODUCTION)
Mitholz (Theo Stich/LUMENFILM)
Pushing Boundaries (Lesia Kordonets/Dschoint Ventschr Filmproduktion)
Suot Tschêl Blau (Ivo Zen/Alva Film Production)
The Bubble (Valerie Blankenbyl/Catpics)
The Scent of Fear (Mirjam von Arx/ican films)
The Tiger Mafia (Karl Amman, Laurin Merz/HOOK Film & Kulturproduktion)
W. – was von der Lüge bleibt (Rolando Colla/Peacock Film)
Wild – Jäger und Sammler (Mario Theus/Lucky Film)

Kategorie «Bester Spielfilm»

Beyto (Gitta Gsell/Lomotion)
Monte Vetrità (Stefan Jäger/Tellfilm)
Prinzessin (Peter Luisi/Spotlight media productions)
Sami, Joe und ich (Karin Heberlein/ABRAKADABRA FILMS)
Spagat (Christian Johannes Koch/Catpics)
Stürm: Bis wir tot sind oder frei (Oliver Rhis/Contrast Film Zürich)
The Saint of the Impossible (Marc Wilkins/Dschoint Ventschr Filmproduktion)
Tides (Tim Fehlbaum/Vega Film)
Von Fischen und Menschen (Stefanie Klemm/Dschoint Ventschr Filmproduktion)
Wanda, mein Wunder (Bettina Oberli, Zodiac Pictures)
Youth Topia (Dennis Stormer/Tellfilm)

 

Zürcher Filmpreis 2020

Eine jährlich wechselnde Fachjury trifft die Entscheidung über die Preisvergabe. Sie besteht aus drei Dreiergremien: Eine dreiköpfige Jury für den Kurzfilm, eine für den langen Dokumentarfilm und eine für den langen Spielfilm. In jeder der drei Kategorien gibt es eine Auszeichnung für den besten Film. Zusätzlich zeichnet jede Jury zwei besondere Leistungen aus, beispielsweise für Kamera, Musik, Drehbuch und weitere am Film beteiligte Personen.

Preise für den besten Film 2020

Zürcher Filmpreis für den besten Kurzfilm 2020

«Das Spiel»
von Roman Hodel, produziert von Ensemble Film GmbH

Begründung Jury:
Der Regisseur nutzt auf brillante Weise alle Werkzeuge des Films (Ton, Bild, Schnitt), um uns durch die intime und emotionale Erfahrung des Schiedsrichters die andere Seite eines Fußballspiels entdecken zu lassen. In nur fünfzehn Minuten zeigt uns der Film einen Menschen, der in einer komplexen, lauten und konfliktreichen Umgebung sein Bestes gibt. «Das Spiel» wird perfekt beherrscht und besticht durch seine Genauigkeit und Menschlichkeit – egal, ob man sich für Fussball interessiert oder nicht.

 

Zürcher Filmpreis 2020 für den besten Dokumentarfilm

«Nemesis»
von Thomas Imbach, produziert von Okofilm Productions

Begründung Jury:
Aus einem Fenster seines Ateliers dokumentiert der Filmemacher über mehrere Jahre den Abriss des historischen Güterbahnhofs und beobachtet, wie an dessen Stelle das Polizei- und Justizzentrums des Kantons Zürich hochgezogen wird. Bauarbeiter, Bagger, Polizeihunde, Teenager, die auf einen Kran steigen, ein küssendes Paar, Modeshootings und Kindergeburtstage – auf 35mm-Filmmaterial wird festgehalten, was vor der Linse passiert. Langsam bauen während des Essays Menschen in Orange die Zukunft; ein Gebäude, das die Normen der Hochsicherheit erfüllt. Der Regisseur verfolgt ein radikales Konzept mit präzisen Bildern, Zeitraffern, einem ruhigen Blick voller Poesie und Humor. Hervorragend ist auch das Sounddesign, das Menschen und Gegenständen Leben einhaucht und die weite Distanz zwischen Kamera und Baustelle auflöst.

 

Zürcher Filmpreis 2020 für den besten Spielfilm

«Schwesterlein»
von Stéphanie Chuat und Véronique Reymond, produziert von Vega Film

Begründung Jury:
Ein beeindruckender Film, der von Geschwisterliebe erzählt als universellem Bild für bedingungslose Liebe. Die beiden Regisseurinnen inszenieren die hervorragenden Schauspielerinnen und Schauspieler präzise in der Gefühlswelt ihrer Figuren. Wir sehen ihren Schmerz und ihre Verzweiflung. Daneben blitzen aber auch immer wieder Humor und Situationskomik auf – ganz wie im Leben. Nichts wirkt gespielt, alles ist echt und authentisch und man spürt: Diese Geschichte wird nicht erzählt, sondern findet statt. Bild, Ton und Szenerie sind perfekt aufeinander abgestimmt und schaffen die Bühne für dieses Drama, das Leben heisst.

Auszeichnungen 2020

Kategorie Kurzfilm

Aline Höchli
Auszeichnung mit dem Zürcher Filmpreis 2020 für das Character Design in «Warum Schnecken keine Beine haben»

Begründung Jury:
Wenn sich die Augenfühler der Schnecken im Wind wiegen, sich ihre Augäpfel mit einer feinen Bewegung nach unten rollen oder sich die Augenbrauen der Bürolisten-Bienen leicht verziehen, dann braucht es keine Worte mehr. Alles wird gesagt. Man spürt die Figuren, ihre Freude, ihr Entsetzen, ihren Energiepegel. Die Auszeichnung geht deshalb an Aline Höchli, die mit wenigen Zeichenstrichen umfassende Charaktere zum Leben erweckt und damit einen urkomischen Film voller subversivem Humor geschaffen hat.

Maja Gehrig
Auszeichnung mit dem Zürcher Filmpreis 2020 für die Regie in «Average Happiness»

Begründung Jury:
In Zeiten, in welchen Diagramme die Berichterstattung der Medien prägen und sich die Politik weltweit in Schaubildgrafiken manifestiert, verwandelt die Regisseurin in ihrem Film Statistiken in bunte Welten, Körper und Gegenstände. Sie zeigt in der von ihr gewählten Ästhetik eine originelle Handschrift für den Schweizer Animationsfilm. Insbesondere für ihre innovative Idee und Herangehensweise erhält Maja Gehrig diese Auszeichnung.

Kategorie Dokumentarfilm

Eliza Kubarska
Auszeichnung mit dem Zürcher Filmpreis 2020 für die Regie in «The Wall of Shadows»

Begründung Jury:
Der Film nimmt sein Publikum mit auf ein Abenteuer in eine kleine, unbekannte und unwirtliche Welt. Der Regisseurin Eliza Kubarska gelingt es, die Welt einer Sherpafamilie feinfühlig und in bildstarken Szenen zu erzählen. Sie beweist dabei ein besonderes Gespür für ihre Protagonistinnen und Protagonisten. Ihre Erzählweise gestaltet sie mit Leerstellen, die bei den Zuschauerinnen und Zuschauern Raum für eigene Gedanken lassen und sie so nur umso mehr in die Geschichte involvieren.

Tania Stöcklin
Auszeichnung mit dem Zürcher Filmpreis 2020  für die Montage in «Wer sind wir?»

Begründung Jury:
Wie gehen wir in unserer Gesellschaft mit Menschen mit Behinderung um? Grenzen wir aus, schliessen wir ein? Von dieser Gratwanderung erzählt der Film. Er tut dies auf eine Weise, die herausfordert und zum Nachdenken anregt. Die Montage von Tania Stöcklin setzt feinfühlig erzählerische Akzente und tariert die oft sehr private Welt der Familien mit den grossen und kleinen Alltagshürden in deren Umwelt aus. Die Editorin geht sehr klug mit Distanz und Nähe um. Der Film drifted nie ins Voyeuristische ab, da Stöcklin es schafft, uns in die Welt der Kinder und deren Umfeld einzubinden. Und so beginnen wir zu verstehen «wer sie sind».

Kategorie Spielfilm

Plinio Bachmann, Barbara Sommer, Micha Lewinsky
Auszeichnung mit dem Zürcher Filmpreis 2020 für das Drehbuch von «Moskau einfach!»

Begründung Jury:
Ein Vergnügen, eine so feine Komödie als Reminiszenz an ein wenig ruhmreiches Stück Schweizer Geschichte zu sehen. Die Auszeichnung geht an das Drehbuch, ist es doch die Grundlage dieses Werkes, das ein Feel-Good-Movie im allerbesten Sinne darstellt. Es gelingt dem Film, die Fichenaffäre so zu erzählen, dass sie nicht nur für Aussenstehende verständlich ist, sondern auch einen Bezug zur Gegenwart herstellt – zu Fake News und Populismus und zum stets akuten Problem der Diskriminierung. Ein klug geschriebener Film, in dem ein wunderbares Ensemble hervorragend in Szene gesetzt worden ist.

Regula Marthaler
Auszeichnung mit dem Zürcher Filmpreis 2020 für das Kostümbild in «Moskau einfach!»

Begründung Jury:
Je näher das Historische liegt, umso schwerer ist es, das Kostümbild zu gestalten. Meisterhaft gelungen ist dies Regula Marthaler in «Moskau einfach». Sie schöpft aus dem Vollen, ohne je zu übertreiben, vermeidet jede Künstlichkeit und gibt den Figuren der späten 1980er-Jahre ein natürliches Aussehen und persönlichen Stil. Alles ist bis ins Detail durchdacht, auch für Nebenrollen setzt sie feine Akzente z.B. eine schwarz-weiss karierte Krawatte als Hinweis auf die damals viel getragenen Kufiya (Arafat-Tuch).

Spezialerwähnung 2020

Rolando Colla und Marina Guerrini
Die Jury vergibt eine Spezialerwähnung an die Regie und Autorenschaft für ihre Erzählhaltung in «Quello que non sai di me».

Begründung Jury:
Ein Paradebeispiel für Diversität im Film. Menschen auf der Flucht, Frauenrollen, Secondas und Secondos: Alle kommen vor, weil sie eben vorkommen und die Gesellschaft wiederspiegeln, in der die Geschichte angesiedelt ist. Die Figuren werden ernst genommen – ohne einseitige Verurteilungen oder wohlfeile politische Stimmungsmache. Mit einer Spezialerwähnung für die ehrliche und zugleich zutiefst menschliche erzählerische Haltung von Autorenschaft und Regie möchte die Jury diese Leistung hervorheben.

Die Fachjury von 2020

Die Fachjury des Zürcher Filmpreises 2019 bestand aus je drei Personen pro Preiskategorie, also insgesamt neun Personen. Jury in der Kategorie «Bester Kurzfilm»: Stella Händler, Isabelle Favez, François Morisset. Jury in der Kategorie «Bester langer Dokumentarfilm»: Jacqueline Zünd, Katja Dringenberg, Jürg Neuenschwander. Jury in der Kategorie «Bester langer Spielfilm»: Simon Spiegel, Manuel Flurin Hendry, Viktoria Salcher.

Die eingereichten Filme 2020

Kategorie «Bester Kurzfilm»

Average Happines (Maja Gehrig/Langfilm)
Brüder – ein Familienfilm (Valentin Merz Tanören/Andrea Film)
Das Spiel (Roman Hodel/Ensemble Film)
Duodrom (Basil Vogt/Virage Productions)
Fensterlos (Samuel Flückiger/Aaron Film)
Imago (Remy Blaser/Tellfilm)
Lah gah (Cécile Brun/Virage Productions)
LOS (Sandro Zollinger, Roman Vital/Montezuma)
Menschen am Samstag (Jonas Ulrich/Dynamic Frame)
No promised Land (Raphael Bondy/Mira Film)
Rêver comme lui (Valentin Merz Tanören/Andrea Film)
Signs (Dustin Rees/Virage Productions)
The Lonely Orbit (Frederic Siegel, Benjamin Morard/marumaru)
Warum Schnecken keine Beine haben (Aline Höchli/Cinéma Copain)

Kategorie «Bester Dokumentarfilm»

5x5x5 (div./Langfilm)
Die Rückkehr der Wölfe (Thomas Horat/Settebello Film)
Miriam Goldschmidt – Erfinderin von Dazwischen (Christoph Schaefer, Janos Tedeschi/Cineworx Filmproduktion)
Nemesis (Thomas Imbach/Okofilm Productions)
NOT ME – A Journey with Not Vital (Pascal Hofmann/RECK Filmproduktion)
Saudi Runaway (Susanne Regina Meures/Christian Frei Filmproduktionen)
Shalom Allah (David Vogel/Dschoint Ventschr Filmproduktion)
The Wall of Shadows (Eliza Kubarska/TILT Production)
Volunteer (Lorenz Nufer, Anna Thommen/Sulaco Film)
Wer sind Wir? (Edgar Hagen/Cineworx Filmproduktion)
Who’s afraid of Alice Miller? (Daniel Howald/SwissDok)
Zürcher Tagebuch (Stefan Haupt/Fontana Film)

Kategorie «Bester Spielfilm»

Baghdad in My Shadow (Samir/Dschoint Ventschr Filmproduktion)
Bruno Manser (Niklaus Hilber/A Film Company)
Die fruchtbaren Jahre sind vorbei (Natascha Beller/Apéro Film)
Jagdzeit (Sabine Boss/Turnus Film)
Mare (Andrea Staka/Okofilm Productions)
Moskau einfach! (Micha Lewinsky/Langfilm)
Platzspitzbaby (Pierre Monnard/C-FILMS)
Quello che non sai di me (Rolando Colla/Peacock Film)
Schwesterlein (Stéphanie Chuat, Véronique Reymond/Vega Film)
Sekuritas (Carmen Stadler/ABRAKADABRA FILMS)

 

Zürcher Filmpreis 2019

Die Preisträgerinnen und Preisträger des Zürcher Filmpreises 2019 wurden in einem kombinierten Verfahren aus Fachjury und Publikumsjury ermittelt und am 3. Oktober 2019 bekanntgegeben.

Eine Fachjury sichtete gemeinsam alle eingereichten Werke, legte ihre Beurteilungskriterien fest und entschied danach, welche Filme für den Zürcher Filmpres 2019 nominiert wurden. Anschliessend wurden die neun nominierten Werke in öffentlichen Vorführungen während des Zurich Film Festival gezeigt und vom dort anwesenden Publikum bewertet. Die Filme mit der besten Publikumsbewertung haben in ihrer jeweiligen Kategorie gewonnen.

 

Die Preisträgerinnen und Preisträger 2019

«Zürcher Filmpreis für den besten Kurzfilm 2019»: SUMMERLOCH
von Moris Freiburghaus, produziert von Planisphere

«Zürcher Filmpreis für den besten langen Dokumentarfilm 2019»: IMMER UND EWIG
von Fanny Bräuning; produziert von Hugofilm Productions

«Zürcher Filmpreis für den besten langen Spielfilm 2019»: LE VENT TOURNE
von Bettina Oberli, produziert von Rita Productions

 

Die nominierten Filme 2019

Nominationen in der Kategorie «Bester Kurzfilm»

Höhenwahn
von Jonas Ulrich
produziert von Dynamic Frame

Begründung Jury:
Einen Horrorfilm im Kurzformat zu machen, ist ein ambitioniertes Vorhaben. Dem Regisseur ist ein souveräner Umgang mit den filmischen Mitteln des Genres gelungen. Der Spannungsaufbau funktioniert. Die Blickstrukturen sind durchdacht. Wenn auch mit ein paar dramaturgischen Abstrichen erkennt man bei diesem Filmteam ein Talent für Inszenierung.


Summerloch

von Moris Freiburghaus
produziert von Planisphere

Begründung Jury:
Da ist diese idyllische, ruhige Landschaft und eine rastlose Hauptfigur. Man hört analytische Gespräche, obwohl es in dieser Familie brodelt. Man erkennt: Unsere Gesellschaft hat alles und dennoch geht es ihr nicht gut. Kontraste machen diesen Dokumentarfilm sehenswert, weil er dadurch ganz viel anspricht, das unausgesprochen bleibt. Die Kamerafrau und der Regisseur, welcher auch den Schnitt verantwortet, beweisen ein feines Gespür dafür, wann man seiner Figur folgt und wann man ihr Raum lässt.


Zibilla

von Isabelle Favez
produziert von Nadasdy Film

Begründung Jury:
Isabelle Favez erweckt in ihrem Film eine liebevoll gezeichnete Tierwelt zum Leben. Es ist spürbar, dass sie ihre kleinen Zuschauer während des Schaffensprozesses vor Augen hatte. Die Geschichte folgt einem klaren dramaturgischen Aufbau und überrascht dabei mit Ideenreichtum und Humor.


Nominationen in der Kategorie «Bester langer Dokumentarfilm»

African Mirror
von Mischa Hedinger
produziert von ton und bild

Begründung Jury:
Ausschliesslich aus Archivmaterial des Reiseschriftstellers René Gardi bestehend, vermag dieser Dokumentarfilm den Bogen von der Vergangenheit ins Heute zu schlagen. Er greift aktuelle Themen wie Abschottung, Ausgrenzung und Fremde auf, ohne aktuelle Bilder zu zeigen. Einzig durch Gardis Filmmaterial führt er uns die Wandelbarkeit von Wertvorstellungen vor Augen und hinterfragt den Blick, den eine ganze Gesellschaft damals und heute auf Afrika hat. Mischa Hedinger nutzt unkommentiert Filmausschnitte, Fotografien, Tagebuchpassagen. Seine Erzählweise ist eigenständig und besticht durch einen spannenden Umgang mit Bild- und Tonebene. Der Film hat die Jury formal und inhaltlich überzeugt.


Immer und Ewig

von Fanny Bräuning
produziert von Hugofilm Productions

Begründung Jury:
Mit einem Roadmovie der etwas anderen Art legt uns Fanny Bräuning einen sehr persönlichen Film vor. Sie erlaubt den Zuschauenden einen intimen, aber nie voyeuristischen Einblick in die Beziehung ihrer Eltern. Dabei wechselt ihre eigene Rolle zwischen der feinen Beobachterin und der Beobachteten, wenn sie als Tochter sichtbar wird und behutsam wie auch beharrlich nachfragt. Damit fügt sie der Liebesbeziehung ihrer Eltern eine weitere Dimension hinzu. Die Kamera unterstützt den sensiblen Blick mit einer natürlich komponierten Bildsprache.

 

Where We Belong
von Jacqueline Zünd
produziert von real Film

Begründung Jury:
Jacqueline Zünds Film ist ein sinnliches Erlebnis. Bilder, Musik und Sound verweben sich zu einem Teppich, auf dem man in die Lebenswelt von fünf Kindern reist, deren Eltern sich getrennt haben. Die stilisierte Ästhetik des Werkes ist kein Hindernis für Emotionen, sondern schafft Raum für das Wesentliche, nämlich für die Haltung der Kinder. Konsequent behält die Regisseurin die Perspektive der Kinder bei und gibt damit jenen das Wort, die selten gehört werden.


Nominationen in der Kategorie
«Bester langer Spielfilm»

Das Höllentor von Zürich
von Cyrill Oberholzer
produziert von Bild mit Ton

Begründung Jury: Bunt, trashig, schamlos, witzig und in hohem Tempo erzählt Cyrill Oberholzers Film eine Geschichte, die sich – trotz der Weiten und (Un-)Tiefen des Internets – nahezu ausschliesslich auf kleinstem Raum abspielt. Wer sich darauf einlässt, wird von einer Erzählweise mitgerissen, die zwischen Realität, Rausch und Imagination wechselt. Der assoziative Schnitt und das leichtfüssig-ironische Spiel mit verschiedenen Medien und (Film)-Zitaten treffen den Zeitgeist und fordern bewusst heraus. Lara Stolls exzessive Performance lotet dabei gezielt Grenzen aus.


Le vent tourne

von Bettina Oberli
produziert von Rita Productions

Begründung Jury: Im Film von Bettina Oberli fügen sich Inszenierung, Kamera und Schnitt zum stimmigen Gesamtbild. Unterstützt von starken Schauspielerinnen und Schauspielern, die ihre Figuren glaubhaft zum Leben erwecken, erzählt die Regisseurin, die erstmals auf französisch drehte, kraftvoll, elliptisch und mit wenigen Dialogen die Befreiungsgeschichte einer jungen Frau. Das einfühlsame Kammerspiel beeindruckt durch seine gekonnte Inszenierung, seine poetische Erzählweise, die prägnanten, atmosphärischen Bilder und eine überzeugende Metaphorik.


Sohn meines Vaters

von Jeshua Dreyfus
produziert von TILT Production

Begründung Jury:
Dem Film liegt ein dichtes Drehbuch über eine nicht ganz alltägliche Familie zugrunde, in der alle Figuren um einen charismatisch-manipulativen Narzissten kreisen. Fragen zu Macht, Ohnmacht, emotionalen Abhängigkeiten und therapeutischem Missbrauch werden gekonnt beleuchtetet. Die Inszenierung lässt den Schauspielerinnen und Schauspielern Raum, sich zu entfalten und zu überzeugen. Jeshua Dreyfus gelingt mit seinem zweiten Langfilm eine wendungsreiche, gut beobachtete Tragikomödie.

 

Die Fachjury von 2019

Die Fachjury des Zürcher Filmpreises 2019 bestand aus je drei Personen pro Preiskategorie, also insgesamt neun Personen. Jury in der Kategorie «Bester Kurzfilm»: Claudius Gentinetta (CH), Gabriella de Gara (CH), Dr. Matthias Wittmann (AUT). Jury in der Kategorie «Bester langer Dokumentarfilm»: Anja Kofmel (CH), David Fonjallaz (CH), Martin Blaney (UK). Jury in der Kategorie «Bester langer Spielfilm»: Jan-Eric Mack (CH), Nicole Gerhards (DE), Sandra Meier (CH).

 

Die eingereichten Filme 2019

Kategorie «Bester Kurzfilm»
Höhenwahn (Jonas Ulrich/Dynamic Frame)
Love a Little (Beatrice Minger/0712 Filmproduktion)
Regimes (Maja Tschumi/Filmgerberei)
Summerloch (Moris Freiburghaus/Planisphere)
Sunday (Neil Stubbings/Stubbings)
Zibilla (Isabelle Favez/Nadasdy Film)

Kategorie «Bester langer Dokumentarfilm»
#Female Pleasure (Barbara Miller/Mons Veneris Films)
African Mirror (Mischa Hedinger/ton und bild)
Another Reality (Noël Dernesch, Olli Waldhauer/Cognito Films)
Architektur der Unendlichkeit (Christoph Schaub/maximage)
Das Vermächtnis eines Patrons (Stéphane Kleeb/Vitascope)
Der nackte König – 18 Fragmente über Revolution (Andreas Hoessli/Vinca Film)
Fair Traders (Nino Jacusso/RECK Filmproduktion)
Immer und ewig (Fanny Bräuning/Hugofilm Productions)
Isola (Aurelio Buchwalder/maximage)
Katoey – The Women We Are (Stefan Jung/real Film)
Ly-Ling und Herr Urgesi (Giancarlo Moos/Giancarlo Moos Photography & Film)
Passion – Zwischen Revolte und Resignation (Christian Labhart/Kosmos Film)
Subito – Das Sofortbild (Peter Volkart/RECK Filmproduktion)
Where We Belong (Jacqueline Zünd/real Film)

Kategorie «Bester langer Spielfilm»
Amur senza fin (Christoph Schaub/Zodiac Pictures)
Das Höllentor von Zürich (Cyrill Oberholzer/Bild mit Ton)
Le vent tourne (Bettina Oberli/Rita Productions)
Sohn meines Vaters (von Jeshua Dreyfus/TILT Production)
Wir Eltern (Eric Bergkraut, Ruth Schweikert/p.s.72 productions)
Zwingli (Stefan Haupt/C-Films)

 

 

Über den Zürcher Filmpreis

Die Zürcher Filmstiftung vergibt seit 2019 den Zürcher Filmpreis. Sie hat diese Aufgabe von der Stadt Zürich übernommen, die zuvor jährlich den «Filmpreis der Stadt Zürich» verliehen hat.

 

Juryverfahren
2019 wurden die Preisträgerinnen und Preisträger in einem kombinierten Verfahren aus Fachjury und Publikumsjury ermittelt.
Ab 2020 trifft die jährlich wechselnde Fachjury die Entscheidung über die Preisvergabe alleine. Sie besteht aus drei Dreiergremien: Eine dreiköpfige Jury für den Kurzfilm, eine für den langen Dokumentarfilm und eine für den langen Spielfilm. In jeder der drei Kategorien gibt es eine Auszeichnung für den besten Film. Zusätzlich zeichnet jede Jury zwei besondere Leistungen aus, beispielsweise für Kamera, Musik, Drehbuch und weitere am Film beteiligte Personen. Damit trägt der Zürcher Filmpreis dem Umstand Rechnung, dass jeder Film das Werk der Zusammenarbeit vieler Beteiligter ist.

Auszeichnungen
Die Summe der Preisgelder beträgt 100’000 CHF. Der beste Film in den Kategorien Dokumentarfilm und Spielfilm ist mit jeweils 20’000 CHF dotiert, die ausgezeichneten Positionen mit 10’000 CHF. Der beste Film in der Kategorie Kurzfilm erhält 10’000 CHF, die ausgezeichneten Positionen jeweils 5’000 CHF.

Preisverleihung
Die Verleihung des Zürcher Filmpreises findet jeweils Anfang November statt.

Die Lupe
Zu einem Preis gehört ein Pokal. Und so hat die Zürcher Filmstiftung 2020 ein Designerinnen-Duo aus Zürich mit dem Entwurf und der Umsetzung eines solchen beauftragt. 

Über das Design
Das Design des Zürcher Filmpreises ist von einer Fotographie des Regisseurs Alfred Hitchcock inspiriert. Auf diesem kultgewordenen Portrait ist er am Tisch sitzend mit einer Lupe vor dem Gesicht abgebildet. Hitchcocks durchdringender Blick ist durch die Linse unverkenntlich.

Diesen Effekt des In-Szene-Setzens von Details hat den Designerinnen an der Lupe als Objekt gefallen. Doch eine Lupe setzt nicht nur in Szene, sondern sie ist auch das Mittel, um genau hinzusehen und die Qualität von Details zu prüfen. Sie steht damit auch sinnbildlich für die Arbeit der Jury des Zürcher Filmpreises, die darauf bedacht ist, qualitativ herausragende Werke und Leistungen zu prämieren. Oft sind es ja die Details, die den entscheidenden Unterschied ausmachen.

Die Lupe ist im Bereich des Filmes zwar nicht das Arbeitswerkzeug der ersten Wahl. Aber sie tut im übertragenen Sinne, was bei dieser Kunst zentral ist: Sie verführt zum genauen Sehen und Gesehenwerden.

Diese Überlegungen sind in das Design des Pokals geflossen. Und so besteht dieser aus einer Lupe mit Holzgriff und einem Sockel, auf welchem eine Plakette die Preisträgerinnen oder Preisträger ausweist. Bei den Preisen für den besten Film wurde Ahornholz mit Messing kombiniert, die Pokale für die Auszeichnungen sind in Eiche gefertigt und mit Kupferplaketten versehen.

Über die Designerinnen

Christine Birkhoven ist gebürtige Chilenin und hat ihr Studium als Dipl. Industrial Designerin an der anerkannten Universität Duisburg-Essen in Deutschland absolviert. Ihr Interesse gilt vor allem der Konzeption von Projekten, die sich mit zukunftsorientierten Themen wie Nachhaltigkeit, der post-industriellen Gesellschaft und deren sozialem Wandel befassen. Sie ist in den Bereichen Produktentwicklung, Innenarchitektur und Szenografie tätig.
Seit 2008 Gründungsmitglied und freie Mitarbeiterin von Postfossil, u.a. mit Gastdozenturen und Workshops an verschiedenen Schulen in der Schweiz mit den Schwerpunkten kritisches Denken und Nachhaltigkeit.

 

Annina Gähwiler ist Zürcherin und ausgebildete Industriedesignerin. Sie hat einen MA in Design Products am renommierten Royal College of Arts in London absolviert und arbeitet seit 2007 im Kontext von Product und Interior Design. Sie gründete 2013 gemeinsam mit einer Partnerin die Pour les Alpes GmbH, welche sich auf Designprodukte und Möbelkollektionen spezialisiert hat, die in Zusammenarbeit mit Schweizer Kunsthandwerkerinnen und -werkern entsteht. Sie ist als wissenschaftliche Mitarbeiterin in Forschungsprojekten und in der Lehre an der Zürcher Hochschule der Künste tätig und arbeitet projektbasiert an Themen rund um Gesundheit und Nachhaltigkeit, immer mit dem Fokus auf den individuellen Menschen und seine Bedürfnisse.

Christine und Annina lernten sich vor 15 Jahren kennen, als Christine in die Schweiz zog und sie zusammen eine Wohnung oberhalb eines Zürcher Kinos teilten.

Über die Herstellung
Die Pokale werden von der Schreinerei Schloss Herdern hergestellt. Das Schloss Herdern ist eine soziale Wohn-, Arbeits- und Ausbildungsstätte im Kanton Thurgau, welche verschiedene Betriebe umfasst. Die Schreinerei stellt qualitativ hochwertige Produkte her und ist bereits langjähriger Produktionspartner der Designerinnen. Wenn immer möglich wird heimisches Holz aus dem schlosseigenen Wald verarbeitet.